Im Sommer, wenn so viele von uns im Urlaub sind, sage ich gerne: Wir machen Urlaub, aber nicht vom Evangelium. Denn das Evangelium ist die Mtte unseres Lebens. Es hilft uns täglich, Gott zu finden und zeigt uns den Weg zu einem gelingenden Leben.
Gerade im Urlaub ist es so wichtig, dass wir uns besinnen auf die Quelle, die uns lebendig macht und lebendig hält. Es gibt so viele Spuren Gottes in der Welt.
Im Matthäus-Evangelium heißt es: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe!“ (Mt 10,7)
Wo können wir diese Spuren entdecken? Wo finden wir das Himmelreich?
Dieser Vers ist im Verlauf der Kirchengeschichte unterschiedlich interpretiert worden.
* In der Urkirche war er vebunden mit der Erwartung der unmittelbaren Wiederkunft Christi.
* Die Kirchenväter, zum Beispiel Origenes, betonten, es gehe um ein Leben nach dem Willen Gottes. Das Himmelreich zeige sich in der Gemeinschaft der Glaubenden und werde erst am Ende der Geschichte vollendet.
* Das Mittelalter sagte: Wer in der Kirche lebt, lebt bereits unter Gottes Herrschaft.
Ich möchte heute auch einen Aspekt der Befreiungstheologie nennen. Denn durch sie bekam der Vers eine soziale Dimension: Gottes Reich bedeutet auch Gerechtigkeit. Wir sind alle gerufen, für mehr Gerechtigkeit zu sorgen, und zwar durch den Einsatz für Arme und die Befreiung von Unterdrückung.
Ob ich nun die Wiederkunft Christi bald erwarte, ob ich das Himmelreich im eigenen Leben entdecke oder ob ich mich für Gerechtigkeit einsetze: Jeder Versuch, das Himmelreich zu finden und zu leben ist wertvoll.
Ein wunderschöner Schmetterling in meinem Urlaub in den Allgäuer Bergen war für mich Anlass, über die Schöpfung nachzudenken. Und die Schöpfung ist für mich ein ganz großer Hinweis auf das Himmelreich. Wenn wir schon hier auf Erden so wunderbare Dinge erleben, dann können wir uns mit Freude auf die Suche nach dem Himmelreich machen.
Und werden es finden. Jeder und jede auf eine ganz eigene, ganz besondere Art. Dann strahlen wir etwas aus, das andere Menschen anzieht. Wir können es aussprechen oder einfach im Leben zeigen: „Das Himmelreich ist nahe!“. Auch und gerade im Urlaub.
Ihr und euer
Diakon Edgar, der Diakon mit der Mütze


