Man muss genau hinschauen, um die chinesischen Schriftzeichen zu entdecken. Sie bedeuten etwa: „Der Schimmer der alten Höhlenquelle am Rande des Berges“ und beschreiben eine friedliche, fast mystische Atmosphäre einer verborgenen, uralten Wasserquelle, deren Lichtreflexionen auf einem Berg tanzen.
Ich hab diese in Stein gemeißelte Schrift gefunden bei einem Ausflug zum Soswaewon-Garten in der Nähe von Gwangju.
Korea ist ja dort, wo ich lebe, also mitten in Seoul, fast immer laut und hektisch. Aber 280 Kilometer entfernt, im Südwesten des Landes, fand ich das genaue Gegenteil.
Der Soswaewon-Garten wurde nach 1519 angelegt von Yang San-bo (1503-1557), der erlebt hatte, wie sein Lehrer Jo Gwang-jo während einer politischen Verfolgung verbannt und getötet worden war. Dieser hatte die Politik des damaligen Königs kritisiert.
Viele konfuzianische Gelehrte, die sich der Verfolgung nicht aussetzen wollten oder bereits geflohen waren, kamen hier zusammen, um fern von der Politik wissenschaftliche Themen zu diskutieren und Werke zu verfassen. Die Atmosphäre dort ist inspirierend und tut einfach gut:

Der chinesische Vers passt da gut dazu. Wer sich von der Hektik des Alltags entfernt, hat gute Chancen, tiefe Gedanken zu finden und zu formulieren, die auch anderen helfen oder sie weiter bilden können.
„Den Schimmer der alten Höhlenquelle am Rande des Berges“ hätten viele von uns wahrscheinlich auch bemerkt. Sich aber mehr Zeit zu nehmen als für ein Foto, ist ja nicht mehr so verbreitet.
Gerade Naturerfahrungen können uns aber helfen, unsere Mitte zu finden und damit die Spuren Gottes in unserem Leben.
Mich erinnert das Motiv ein wenig an Psalm 36,10. Da wird Gott angeredet: „Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht.“
Unsere Quelle ist und bleibt Gott, der uns erschaffen hat und der an unserer Seite steht. Das Licht, das sich in der Quelle spiegelt, zeigt uns Jesus Christus, der uns erlöst hat. Manchmal sehen wir nur einen Schimmer davon. Das ändert aber nichts daran, dass Christus da ist.
Geben wir auch dem Heiligen Geist eine Chance, in unserem Leben zu wirken, in dem wir die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Ein gelegentlicher Rückzug in die Stille ist ein guter Anfang.
Ihr und euer
Diakon Edgar, der Diakon mit der Mütze


