Der Unterschied

Glaube an Jesus

Seine Kritik an Religion war klar formuliert: „Die Christen müssten mir erlöster aussehen.“ Die Rede ist von Friedrich Nietzsche (1844-1900), und das Zitat stammt aus seinem Werk „Also sprach Zarathustra“.

Ich dachte an Nietzsche, als ich gestern am Bahnhof in Busan einem Mann begegnete, der ein Schild trug mit der (koreanischen) Aufschrift „Glaube an Jesus!“ Ein Foto zu machen wäre nicht in Ordnung gewesen, daher hab ich den Text hier oben noch einmal selbst geschrieben.

Diese Worte sind typisch für die Straßenmission hier in Korea. Es gibt viele presbyterianische Organisationen, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Menschen zu Jesus zu bringen. Ich finde es bemerkenswert, wieviel Zeit sie investieren, um dieses Ziel zu erreichen. Zugleich aber sehe ich immer wieder, dass diese Menschen oft müde, lust- und kraftlos unterwegs sind. Das war auch bei jenem Mann in Busan der Fall. Er macht eigentlich etwas in sich Gutes, denn Menschen von Jesus zu erzählen ist ja schließlich biblisch begründet. Aber durch seine Lustlosigkeit konterkariert er sein Anliegen sofort wieder.

Zugleich bezweifle ich, dass sich jemand, der Jesus aus welchen Gründen auch immer fern steht, durch diese Worte zum christlichen Glauben motiviert fühlt. Dafür braucht es deutlich mehr.

Nietzsche ist in einem Pfarrhaus aufgewachsen, und er störte sich an einer oft freudlosen oder gar griesgrämigen Haltung, die er bei Gläubigen wahrnahm. Seine Interpretation von „erlöst sein“ war Gelassenheit und Lebensbejahung, nicht die so oft von ihm erlebte Schwermut. Und von daher ist seine Distanz zur Kirche gut nachvollziehbar – schließlich sind wir zur Freude berufen (vergleiche zum Beispiel Joh 15,11: „Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird“).

Wo die Freude am Glauben dauerhaft fehlt, greift die Kritik am christlichen Glauben um so mehr. 
Dabei ist nicht gemeint, dass wir nur noch lachend durch die Gegend laufen sollen. Freude kann sehr still sein, soll Teil unserer Haltung sein, unserer Art andere anzuschauen, soll zeigen, wie wir in uns ruhen und dass wir aus dem Glauben an die Auferstehung leben.

Mir kommt das Bild von der eigenen Nase, an die jeder und jede von uns sich fassen soll. Wie viel Freude verbreite ich selber? Wie gehen andere Menschen aus der Begegnung mit mir heraus? 

Wo machen wir den Unterschied?

Nachdem die wenigsten von uns in der Öffentlichkeit ein Schild tragen mit der Aufschrift „Glaube an Jesus“ sollte es Alternativen geben. Die eigene Freude über den Glauben an die Auferstehung wieder zu entdecken ist ein grundlegender erster Schritt.

Sich vertrauensvoll an Jesus im Gebet zu wenden ein zweiter. (Das geht übrigens auch mit einem kurzen Stoßgebet!)

Und den Menschen mit Offenheit, Respekt und Nächstenliebe zu begegnen rundet es dann ab.

Der Unterschied muss darin liegen, dass wir trotz des chaotischen Zustands unserer Welt den Kontakt zu Jesus pflegen und dies Konsequenzen hat in der Art und Weise, wie die anderen uns erleben. Ich  bin sicher, wir schaffen das: Erlöster aussehen.

Ihr und euer
Diakon Edgar, der Diakon mit der Mütze

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