Jedesmal freue ich mich darauf: Wenn wie am kommenden Sonntag die Lesung aus dem 1. Petrusbrief, Kapitel 3, Vers 15 an der Reihe ist, geht es mir gut. Da steht: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.“
Ich hab mir diesen Bibelvers vor 24 Jahren für meine Weihe zum Diakon ausgesucht. Er begleitet mich aber schon viel länger. So richtig entdeckt hab ich ihn vor 40 Jahren, 1986, als Obergefreiter während der Internationalen Soldaten-Pilgerfahrt nach Lourdes. Unter der Leitung eines französischen und eines spanischen Militärpfarrers gab es ein Treffen mit Soldaten aus fast 40 verschiedenen Ländern, und wir haben uns über die Hoffnung ausgetauscht, die wir angesichts des damaligen Kalten Krieges alle so dringend gebraucht haben. Spät abends saß ich mit zwei französischen und einem italienischen Soldaten im Zeltlager zusammen, und wir haben in der Bibel gesucht nach Aussagen über die Hoffnung. 1 Petr 3,15 haben wir damals zuerst gefunden, und mich berührt seitdem der Auftrag darin sehr. Als ich dann als Alarmreservist während meines Theologiestudiums eine Zeitlang der Militärseelsorge zugeordnet war, gab es immer wieder Kontakte mit dem Militärpfarramt, und der Austausch war stets von der Hoffnung geprägt, die mich erfüllt.
Rechenschaft über die eigene Hoffnung zu geben hat als Voraussetzung, sich darüber klar zu sein, worauf diese Hoffnung gründet. Stets bereit zu sein heißt, offen zu sein für Menschen, die sich dafür interessieren. Und noch mehr: Ich sollte auch Signale senden, die dazu einladen, Kontakt aufzunehmen.
Das ist ein bisschen so wie ein Fernsehturm, der durch seine exponierte Position die Blicke auf sich zieht und zugleich Signale aussendet, die empfangen werden können.
Ich muss als Christ, als Christin nicht auf einem Berg stehen, damit die Leute mich wahrnehmen und neugierig werden auf das, was meinen Glauben angeht. Authentisch, ehrlich, persönlich sein hilft aber sehr dabei. Menschen mögen es, wenn sie spüren, dass das Gegenüber selber denkt. Oder wenn sie echte Texte von ihm lesen, die nicht KI-generiert sind. Denn das sind ja solche, die oberflächlich perfekt wirken, aber oft zutiefst hoffnungslos sind.
Bleiben wir menschlich. Bleiben wir erfahrbar und hinterfragbar. Und vor allem: Bleiben wir hoffnungsvoll in einer Welt, die diese Hoffnung überall zu verlieren droht.
Ihr und euer
Diakon Edgar, der Diakon mit der Mütze


