206. Newsletter Fronleichnam oder: Alles nur Fremdsprache?

Joh 6 lat griech

„Wir verstehen den Pfarrer einfach nicht. Können wir den Gottesdienst nicht auch in unserer Sprache feiern – also auf Latein?“

Nanu? Wer versteht denn noch Latein?

Aber so oder so ähnlich könnte es sich zu Beginn des 3. Jahrhunderts in Rom zugetragen haben. Die Gottesdienste waren auf Griechisch, der Sprache des Neuen Testaments. Rom war im 2. Jahrhundert n. Chr. zu einem großen Teil eine griechischsprachige Stadt.
Das gefiel den römischen Christen, die Latein sprachen, nicht mehr, es war ihnen einfach zu fremd. Und es gab zudem Nachrichten aus Nordafrika über Kirchenvater Tertullian, der bereits Latein als Gottesdienstsprache eingeführt hatte. Also warum nicht auch in Rom? Papst Viktor I. (um 200 herum) war es wahrscheinlich, der als erster lateinische Elemente einführte. Ab der Mitte des 4. Jahrhunderts war dann Latein die alleinige Liturgiesprache.

1600 Jahre später begann in der katholischen Kirche die liturgische Bewegung in Deutschland, und die Forderung wurde erneut laut: „Wir wollen verstehen, was in der Liturgie gesprochen wird, wollen endlich in der Muttersprache feiern, nicht mehr auf Latein.“ Mit der Liturgiereform durch das 2. Vatikanische Konzil und einigen Vorstufen dazu wurde das dann auch möglich. Dadurch sprechen wir heute auch von den muttersprachlichen Gottesdiensten unserer Gemeinden.
Das ist auch gut so. Und zugleich kann man die Frage heute wieder stellen, auch wenn sie einen anderen Schwerpunkt hat. Die Texte sind zwar auf deutsch, es gibt aber vieles, was nicht einfach zu verstehen ist. Eucharistie, Tabernakel, Monstranz – diese Wörter erschließen sich nicht einfach so.
Sie gehören aber zu einem wichtigen Fest: Fronleichnam. Schon wieder so ein Wort. Am Sonntag feiern wir dieses Fest in Korea. Wenn uns dann jemand fragt, was wir da eigentlich tun, dann sollten wir eine Idee davon haben. Eucharistie ist das Abendmahl und erinnert uns an Gründonnerstag. Tabernakel ist im Grunde ein Zelt für die Aufbewahrung der Hostien und damit Ort der Gegenwart Christi. Monstranz ist ein goldenes Gefäß, um die Hostie zu zeigen. Und Fronleichnam ist anders als man vermuten würde das Fest des lebendigen Herrn; es geht nicht um Leichnam, sondern um das alte deutsche Wort lichnam, und das bedeutet lebendig; fron heißt übrigens Herr im Sinne von Gott oder Jesus Christus.

Im Grunde feiern wir an diesem Fest die Auferstehung, feiern die Gegenwart Christi in Wort und Sakrament, zeigen unsere Freude über den Glauben.
Das sollen die anderen Menschen mitbekommen! Wir sollten uns nicht verstecken hinter Fachbegriffen, sondern offen zeigen, dass uns der Glaube an Jesus Christus kostbar ist. Dafür brauchen wir gar nicht viele Worte und schon gar keine Sprache, die viele nicht verstehen. Zeigen wir, dass uns der Glaube erfüllt. Verhalten wir uns christlich: Indem wir Hoffnungsstifter sind, Freude teilen, Licht weitergeben.

Ihr und euer
Diakon Edgar, der Diakon mit der Mütze

PS
Und der Text oben im Bild, lateinisch und griechisch? Ich nehme einen Vers heraus: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.“ (Joh 6,54)
Herzliche Einladung, ihn in einer muttersprachlichen Bibel nachzulesen: Im Evangelium nach Johannes, Kapitel 6, Verse 51-58.

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