Wer aus Europa kommt und in Südkorea mit dem Auto fahren möchte, muss ein paar besondere Verkehrsregeln kennen lernen. Ein wichtiger Unterschied besteht zum Beispiel darin, dass es keine „Rechts vor Links-Regel“ gibt. An unübersichtlichen oder ungeregelten Kreuzungen ohne Ampeln oder Verkehrszeichen haben Fahrzeuge, die von rechts kommen, nicht automatisch Vorrang; stattdessen verständigen sich die Fahrer meist durch Blickkontakt, oder es gilt das Prinzip „Wer zuerst kommt, fährt zuerst“. Höchste Aufmerksamkeit ist angesagt.
Und dann gibt es noch das Schild für Linksabbieger, das oben im Bild zu sehen ist. Bipoho steht da, und das heißt wörtlich „ungeschützt“. Man darf links abbiegen, muss aber dem Gegenverkehr Vorrang lassen, auf Fußgänger achten, darf nur abbiegen, wenn die Fahrbahn frei und das Abbiegen sicher ist. Da ist viel zu beachten.
Bevor ich wusste, wie das Wort auf deutsch heißt, hab ich gedacht, es würde „wenn möglich“ bedeuten. Aber „ungeschützt“ ist viel intensiver. Ich weiß zwar, dass ich in die Richtung möchte, muss aber sehr aufpassen. Bei einem grünen Ampelpfeil ist es sicherer, da bin ich geschützter.
Für mich ist dieses Verkehrszeichen ein Hinweis darauf, wie wir uns im Leben bewegen – und wie wir Gott mit hineinnehmen sollten. Der Prophet Jesaja hilft uns dabei. Er schreibt über die Gnade Gottes, die er uns zeigen möchte (vgl. Jes 30,18-26). Ein Vers ist dabei besonders hilfreich: „Deine Ohren werden ein Wort hinter dir hören: Dies ist der Weg, geht ihn, auch wenn ihr nach rechts oder links abbiegen wolltet!“ (Jes 30,21).
Dass unser Weg dabei immer wieder ungeschützt ist, und dass es oft kein Rechts vor Links gibt und wir dadurch unsicher sind, das weiß Gott und wir sollten es uns klarmachen.
Aber in dieser Unsicherheit, in diesen Momenten der höchsten Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, da wird uns zugesagt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es geht nicht darum, dass Gott uns vorschreibt, nur noch geradeaus gehen zu dürfen. Es geht darum, dass wir in fragilen Momenten darauf vertrauen, dass er mit seiner Gnade dabei ist. Dann werden wir gut durchs Leben kommen – auf die bestmögliche Art und Weise, nämlich mit Gott an der Seite.
Ihr und euer
Diakon Edgar, der Diakon mit der Mütze


