Koinonia

Seoul - communio

Kirche heißt, Gemeinschaft zu leben und zu erleben. Gemeinschaft mit dem
dreifaltigen Gott: In seinem Wort, nachzulesen zu Hause in der Bibel, nachzuhören im
den Lesungen des Gottesdienstes.
Aber auch in den Sakramenten, die uns genau das verdeutlichen: Gott ist da für uns, er
wirkt und bewirkt Heiliges in uns durch verschiedene Zeichen.
Wir finden Gemeinschaft mit ihm in Anbetung, Meditation und Gebet.
Und wir haben untereinander Gemeinschaft, als Getaufte und Gefirmte, in der
Eucharistie verbundene Menschen.
Das alles sind Bestandteile eines der wichtigsten Begriffe des Zweiten Vatikanischen
Konzils: KOINONIA. Wir können ihn übersetzen mit Gemeinschaft, aber er ist viel
mehr: Er ist ein zentraler Schlüsselbegriff, um das Wesen der Kirche aus der Tiefe des
Glaubens und der Tradition heraus neu zu entdecken.
Kirche ist nicht einfach eine Organisation, sondern Volk Gottes. Sie ist eine
Gemeinschaft, die ihre Wurzeln im Dreifaltigen Gott hat, der in sich schon
Gemeinschaft ist. Koinonia ist das Wesen der Kirche.
Für uns muss sich die Frage stellen, wie wir als Gemeinde diesem Kirchenverständnis
gerecht werden können. Was heißt für uns Koinonia?
Drei Punkte möchte ich betonen:

  1. Gemeinde zu sein heißt nicht, von Priester und Diakon „versorgt“ zu werden und
    ansonsten die Hände in den Schoß zu legen. Gemeinde zu sein heißt, dass alle
    Getauften Verantwortung tragen, je nach den eigenen Möglichkeiten und Charismen.
    Als getaufter Christ, als getaufte Christin kann und darf ich meine Verantwortung nicht
    delegieren. Wenn alle dies ernst nehmen, wird die Gemeinde spürbar als Trägerin
    eines stabilen Solidaritätsnetzes, das verwurzelt ist in der Heiligen Schrift und dem
    sakramentalen Leben der Kirche.
  2. Es geht nicht um eine geschlossene „Blase“. Es muss immer eine Öffnung für
    andere da sein, die auch unbequem oder ungewöhnlich denken und handeln. Oder für
    die, die gerne am Rande der Gemeinschaft spazieren gehen und nur ab und zu einen
    Schritt näher kommen.
  3. Koinonia zu leben heißt immer auch, subsidiär zu leben und zu handeln.
    Subsidiarität ist ein wichtiger Begriff der katholischen Lehre. Er bedeutet: Die Kirche
    begleitet Menschen und hilft ihnen, übernimmt aber nicht ihre Verantwortung, außerwenn sie es nicht alleine schaffen. Als Gemeinde fördern wir die Selbstständigkeit der
    Mitglieder. Das ist eine besonders wichtiger Aspekt von Koinonia.
    Koinonia hat letztlich zwei Dimensionen: Die horizontale und die vertikale Ausrichtung.
    Vertikal ist sie, weil es um die Gemeinschaft mit Gott geht. Wir haben teil am göttlichen
    Leben.
    Horizontal ist sie, weil es um die Gemeinschaft unter uns geht.
    Wird eine der beiden Dimensionen vernachlässigt, gibt es keine Koinonia. Ohne die
    vertikale Anbindung wäre die Koinonia nur ein netter sozialer Club, und ohne die
    horizontale Ausrichtung wäre sie eine rein abstrakte mystische Idee.
    Leben wir Koinonia, leben wir die kostbare und unersetzliche Gemeinschaft in der
    Kirche mit beiden Dimensionen. Das geht überall: auf dem Dorf oder in der
    Millionenstadt. In der Familie und in der Firma. In der Hausgemeinschaft und im
    Wohnviertel. Überall.
    Frohe und gesegnete Osterzeit.


    Ihr und euer
    Diakon Edgar, der Diakon mit der Mütze

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